ABSTRACT


Abstrakt fotografieren heißt, willkürlich etwas abzubilden, um dann festzustellen, dass es niemals willkürlich sein kann. Denn jede Abstraktion ist bereits Interpretation. Dem Betrachter gleiten die Dinge unter den Augen weg. Sie verweigern den Dienst an der Wirklichkeit und hinterfragen so die Lesbarkeit der Welt. In „Abstract“ geht es um Logik, um Relationen wie etwa in „Painting Dali“. Was nicht figürlich oder real zu begreifen ist, entsteht erst im Kopf des Betrachters.


„Unsere individuelle Wirklichkeit
wird laufend neu konstruiert.
So verändern wir beständig den Blick
auf unser Dasein. Wir erschaffen
und denken uns beständig neu
und dieser Prozess macht auch
vor dem Gestern nicht Halt.“ AH

WATER


Die Bilder in „Water“ demonstrieren die Erhabenheit und Schönheit des Meeres. Angesichts der Unendlichkeit fühlen wir uns ohnmächtig gegenüber der Natur. Zugleich empfinden wir gerade hier ein unbändiges Gefühl von Freiheit wie kaum irgendwo sonst – das Meer als Symbol der Doppeltheit der menschlichen Natur. Meer kann beängstigend sein wie in „Before the storm“ oder seelenruhig, vollkommen wie in „Jewels“. Es ist nicht weniger als die faszinierende Verbindung von Schrecken und Bewunderung. So wie der Weltenlauf ist das Meer ein Ort, an dem alle Dinge in steter Umwandlung begriffen sind und nichts bleibt, wie es ist: „Alles fließt“, pantha rhei.


Du entfernst dich so schnell
Längst vorüber den Säulen des Herakles
Auf dem Rücken von niemals
Geloteten Meeren
Unter Bahnen von niemals
Berechneten Sternen
Treibst Du mit offenen Augen. (…)
(Aus „Dein Schweigen, meine Stimme“,
Marie Luise Kaschnitz)

CLOUDS


Seit Menschengedenken existiert eine magische Beziehung zwischen „Da oben“ und „hier unten“. Wolken sind in ihrer Wandelbarkeit ein Gleichnis für die Flüchtigkeit unseres Daseins, das Vorübereilen. In jedem Moment formen sie sich neu, türmen sich auf oder zerfließen, nur um gleich aufs Neue zu entstehen. Wolken zu fotografieren, ist der Versuch, dem Unbeständigen eine Form zu geben. „Hole in the sky“, das Loch im Himmel, betont die Leere. Es macht uns die Vergänglichkeit bewusst und schärft zugleich die Sinne für das, was ist. So unterstreicht das Fehlende das Verbliebene, macht es doppelt kostbar.


„Im Gras, das über Ursachen
und Folgen wächst,
muß jemand ausgestreckt liegen,
einen Halm zwischen den Zähnen,
und in die Wolken starrn.”
(Wisława Szymborska, ›Ende und Anfang‹)

PAINTING LIGHT


„Painting light“ feiert Licht, Schatten und Farben. Mit Bildern zu malen ist in gewisser Weise wie das Lüften eines Rätsels. Nichts weniger als der Versuch, ein Tuch über die Welt zu werfen, um ihre Kontur sichtbar zu machen. – Dunkel und hell, Hoffnung und Ungewissheit. Ohne Schatten ist das Licht kein Licht. Ohne Licht kein Schatten. Erst der Schatten formt das Licht. Erst das Dunkel lässt die Farben doppelt aufleben wie in „The Duel“, nach Steven Spielbergs gleichnamigem Film. Wenn jedoch das Licht erlischt, kann alles geschehen, das Schrecklichste und das Schönste.


Gott sah das Licht, und es war gut.
Und er schied das Licht von der Dunkelheit.
(GENESIS)

ARCHITECTURE


Architektur ist mehr als Stein und Beton. Beim Betrachten geht es mir nicht um objektive Tatbestände, um Proportionen oder um den in Metern bemessenen Raum. Was die Sinne anrührt, ist der Ort mit seinen Beziehungen, seiner Aura. Die vermutete Akustik, das Licht, die Farben und Materialien – die Stimmung. Der Mensch steht im Wechselspiel von gebauter Umwelt einerseits und seinem Befinden, seinen Emotionen andererseits. Wo wir sind, bestimmt wie wir sind. Orte können uns fremd sein oder sie können Heimat sein. Sie wirklich wahrzunehmen gelingt nicht im täglichen Vorübereilen, sondern erst bei genauerem Hinsehen, wie in „Hannibal over the Alps“. Die Serie „Architecture“ widmet sich der Poesie des Raumes, sucht ihn visuell zu entschlüsseln und uns selbst darin.


„Schaff ein kleines bisschen Klarheit.
Und schau, wie sich der Schleier hebt.
Eine Wüste aus Beton und Asphalt,
doch sie lebt und öffnet einen Spalt.“
(„Und wenn ein Lied“, M. Herberger/ X. Naidoo)

Landscape


Die Idylle, seit Jahrhunderten Leitmotiv in Kunst, Literatur, Musik und Poesie, ist vor allem eins: Gedachte Sehnsucht. Die hier gezeigten Motive sind szenisch komponiert, erinnern an Film-Settings. Die Arbeit an der Serie folgt dem Prinzip einer leichten Traurigkeit über die vergängliche Schönheit des Augenblicks, gepaart mit dem Glück, deren Zeuge gewesen zu sein. So meint man, das Fehlen menschlicher Anwesenheit in „Window“ geradezu physisch wahrzunehmen. Wer war hier? Wer mag wohl kommen? „Landscape“ ist der Versuch, das Ewige über das Vergängliche zu stellen, das Gesetzmäßige dem vorübergehend Begründeten vorzuziehen. – Landschaften für die Seele.


„Halte Dir an die Natur,
sie allein bejlückt Dir nur. “
(Berliner Spruch)

STILL LIFE


Die hier gezeigten Objekte sind mehr als das stille Beisammensein von Dingen oder Tieren. Denn selbst in den Stillleben scheint der Mensch durch, erlauben sie doch Rückschlüsse auf die Besitzer der Dinge, wie das Fahrrad in „Rotten dream“. Ironischer Kommentar auf gescheiterte Träume. Tatsächlich fordern selbst „simple Blumenbilder“ eingehende Betrachtung und stellen sich damit der Flüchtigkeit schnell wechselnder Bilder entgegen. – Mit dem Stillleben verlangsamt sich das Sehen.


„Hütet Euch vor den Träumern,
denn sie sind gefährlich.“ AH

PEOPLE


„People“ widmet sich der Kunst des Verweilens, des Ausschauhaltens, der Erwartung, manchmal auch der vergeblichen. Die Figuren blicken den Betrachter kaum je an, zumeist sind sie seitlich oder von hinten wie zufällig ins Bild gesetzt. Den Motiven ist dabei eines gemein: Sie erzählen von dem Moment vor dem Moment. Was aber erfährt man über einen Menschen, wenn man nicht mit ihm spricht? Der flüchtige Blick in ein Menschenleben gleicht einem ungeschriebenen Roman – voller Möglichkeiten. Vereinzelte Personen im Raum, rätselhaft maskiert, scheinbar beziehungslos wie in „Blumen des Todes“. – Wer sind sie? Eitles Trugbild, Illusion oder Realität?


„Wir sind verurteilt dazu,
immerfort zu werden und niemals zu sein.“
AH

TRIPTYCHON


Der Charakter des Triptychons ist offen und geschlossen zugleich und unterstreicht damit die Vergänglichkeit, die diesen Motiven zugrunde liegt. Die verwunschene Tempelanlage „Ta Prohm“ besitzt eine magische Aura, ebenso wie der religiöse Umzug in „The Ritual“. Zwar sind die Motive als Einzelbild lesbar, entfalten jedoch erst als Ganzes ihre volle Wirkung. Das Ausgangsmotiv wird forterzählt. – Die mächtigen Wurzeln von „Ta Prohm“ scheinen die Tempelruinen zu ersticken. In unbarmherziger Umarmung umklammern sie ganze Bauten, die im gierigen Schlund des Stammes verschwinden. Zeugen des Sieges der Natur über die menschengemachte Ewigkeit. Und doch liegt etwas Verwunschenes, Romantisches über der Szenerie…